Mehr Erfolg mit der richtigen Projektmanagement-Zertifizierung: Die Qual der Wahl (mit Folgen!)

Die große Nachfrage nach zertifizierten Projektleitern motiviert viele Jobsuchende eine Zertifizierung anzustreben. Viele erhoffen sich dadurch nicht ganz unberechtigt bessere Jobchancen, spannendere Aufgaben und eine höhere Bezahlung. Jedoch sollte eine Zertifizierung gut überlegt sein, denn neben den damit verbundenen hohen Aufwänden fallen auch teils sehr hohe Prüfungs- und Folgekosten an. Darüber hinaus bringt eine Zertifizierung nur dann die gewünschten Vorteile, wenn das gewählte Zertifikat auch zu dem beruflichen Schwerpunkt passt, denn die Akzeptanz von Zertifikaten ist stark von den jeweiligen Einsatzfeldern und Brachen abhängig. Wer eine Zertifizierung anstrebt sollte daher folgende Faktoren berücksichtigen:

Art und Level der Zertifizierung

Projektmanagement ist ein sehr großes Feld. Um die Fähigkeiten präziser einstufen zu können, haben Zertifizierungsgesellschaften unterschiedliche Zertifizierungslevels etabliert. Leider sind diese nicht auf Anhieb zwischen den Zertifizierungsinstituten vergleichbar, daher ist es ratsam sich vor der Zertifizierung genauestens über die Anerkennung der Zertifikats-Level zu informieren und sich nicht etwa aus Kostengrüden zu einem weniger wertigen Zertifikats-Level verleiten lassen.

Neben dem Level können auch unterschiedliche Schwerpunkte zertifiziert werden. Besonders beliebt sind heutzutage agile Projektmanagement-Methoden wie Scrum. Ein Projektleiter sollte genau sein zukünftiges Umfeld und die dort eingesetzten Projektmanagement-Methoden kennen um die richtige Wahl für sich zu treffen.

Zertifizierungsinstitute

Es existieren viele anerkannte Institute, die Zertifizierungen durchführen. Als Kriterium für die Auswahl eines Institutes ist beispielsweise der kulturelle Kontext, in dem sich ein Projektleiter bewegt ausschlaggebend. Im internationalen Umfeld sind andere Zertifikate angesehener als im deutschen Kulturraum. Auch innerhalb verschiedener Branchen oder Tätigkeitsfelder gibt es verschiedene Standards wodurch manche Zertifikate als vorteilhafter einzustufen sind als andere. Bei der Wahl des Institutes sollten diese Faktoren berücksichtigt werden.

Zertifizierungsvoraussetzungen

Ein weiterer Aspekt der bei der Wahl des passenden Zertifikates und Institutes eine Rolle spielt sind die Voraussetzungen für die Zertifizierung. Für die Teilnahme an den Prüfungen müssen in der Regel bestimmte Bedingungen erfüllt werden. Abhängig sind diese von den jeweiligen anbietenden Instituten. So können etwa bestimmte Schulungsnachweise, Berufserfahrung im Projektmanagement oder vorgelagerte, niedrigere Zertifizierungslevel vorausgesetzt sein.

Aufwand und Kosten für die Erstzertifizierung

Die Zertifizierung ist sowohl mit Kosten, als auch mit einem gewissen Aufwand verbunden. Um sich entsprechende Kenntnisse bescheinigen zu lassen müssen diese im Rahmen einer Prüfung nachgewiesen werden. Fester Bestandteil ist dabei meist ein schriftlicher oder computerbasierter Wissenstest. Zudem können auch Kolloquien, Hausarbeiten oder die Teilnahme an Workshops oder Assessment-Centern Teil der Prüfungsleistung sein. Auch für die Vorbereitung auf die Prüfungen sollte ein entsprechendes Zeitbudget eingeplant werden. Die Kosten für eine Zertifizierung unterscheiden sich je nach Institut und Level der Zertifizierung und reichen von wendigen hundert bis etwa 2.000 Euro.

Aufwand und Kosten für die Re-Zertifizierung

Bei fast allen Zertifikaten ist es notwendig, diese regelmäßig zu erneuern und sich re-zertifizieren zu lassen. Dazu ist der Nachweis bestimmter beruflicher Erfahrungen, die Teilnahme an Schulungen und Fortbildungen oder eine erneute Prüfung notwendig. Auch hier unterscheiden sich die Bedingungen zwischen den Instituten und Zertifizierungsleveln zum Teil erheblich. Die meisten Zertifikate besitzen eine Gültigkeit von drei bis fünf Jahren. Mit diesen Regelungen versuchen die Anbieter der Zertifizierungen zu gewährleisten, dass die Bescheinigten sich kontinuierlich weiterentwickeln und lebenslang lernen.

 

Die bekanntesten Projektmanagement-Zertifizierungen im Vergleich

PMI GPM AXELOS (Prince 2)
Zertifizierung Project Management Professional (PMP) IPMA Level C PRINCE2 Professional
Anforderungen •Hochschulzugangsberechtigung und 7.500 Stunden Projekterfahrung (alternativ: 4-Jähriges Studium und 4.500 Stunden) Projektmanagementerfahrung

•35 Stunden Projektmanagementschulung

•Mindestens drei Jahre Projekterfahrung

•Nachweis über die Leitung von Projekten begrenzter Komplexität (Detaillierte Angaben zu den Projekten erforderlich)

PRINCE2 Practitioner Examination
Prüfung:
Vorbereitung: Projekterfahrungsbericht, Erfahrungshintergrund; Dauer: individuell 1-4 Tage
Ablauf: 200 Multiple-Chioce-Fragen; Dauer 4 Std. •Schriftliche Prüfung (Basiswissen); Dauer 2 Std.

•Workshop; Dauer 1 Tag

•Prüfungsinterview; Dauer 1 Stunde

Assessment-Center; Dauer: 2,5 Tage (Gruppenaufgaben, Fallstudien, fiktionale Projekte)

Keine schriftliche Prüfung

Dauer: 4 Std. 1,5 Tage
Prüfungsgrundlage: PMBOK Guide* Kompetenzbasiertes Projektmanagement (PM3)*
Prüfungsort D: Berlin, Frankfurt, Hamburg, München;

A: Wien; CH: Genf

Nürnberg, Hannover (beschränkte Anzahl an Terminen) 66 Trainingsinstitute in Deutschland
Kosten 555 US$ (520 €, Wechselkurs 17.02.2017)

Für PMI Mitglieder: 405 US$ (380 €, Wechselkurs 17.02.2017)

1.819 € (netto: 1.700 €) ca. 3.500 € (je nach Anbieter)
Prüfungswiederholung:

(Bei nicht bestandener Prüfung)

Bis zu zwei Wiederholungen pro Jahr möglich, danach 3 Jahre Pause Nur nicht bestandener Prüfungsteil Anbieterabhängig
Kosten Wiederholung

(Wechselkurs 17.02.2017)

375 US$ (352 €) 214 € (netto: 200 €) pro Prüfungsteil Normale Prüfungsbgebühr
Für PMI Mitglieder: 275 US$ (258 €) Viele Trainingsinstitute bieten eine kostenlose Wiederholung an
Rezertifizierung
Häufigkeit Alle drei Jahre Alle 5 Jahre Re-Zertifizierung Prince 2 Practicioner erforderlich
Anforderungen 60 Professional Development Units 35 Stunden Weiterbildung pro Jahr und Projektmanagementpraxis auf C-Niveau von mindestens 50%
Kosten 150 US$ (Für PMI Mitglieder: 60 US$) 321 € (netto: 300 €)

Evelyn Koska

Evelyn Koska

Evelyn Koska ist Senior-Projektmanagerin, Trainerin und Coach mit über 10 Jahren Projekterfahrung in unterschiedlichen Branchen. Neben zahlreichen Firmenangeboten unterrichtet Evelyn Koska auch an der Münchner Volkshochschule.

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